Im Rahmen der finanziellen und familiären Gegebenheiten und Möglichkeiten gibt es immer die Frage: Stadt oder Land? - Mit allen Schattierungen dazwischen. Es ist eine grundlegende Entscheidung, von der Vieles abhängt, mit der man Vieles bereits durch die gewählte Wohnsituation festlegt.
Verfügt man über ein Auto, wo liegen etwa die Grenzen dessen, wie weit man täglich fahren will, wie weit ist die nächste Kita, Schule oder das Seniorenheim entfernt?
Nimmt man als Pendler den täglichen Weg in Kauf, um vielleicht günstiger und naturnäher zu wohnen oder kommt das gar nicht in Frage? Gibt es täglich Staus zu den Stoßzeiten auf der zu erwartenden Strecke, wie viel Zeit kommt hierdurch zur Arbeitszeit hinzu - und geht von der Lebenszeit ab?
Ein Entwicklungskonzept zu entwerfen, ist eine reizvolle Sache.
Wie ist aus einem ehemaligen Hofgut ein Mehrgenerationen-Wohnkomplex zu gestalten? Was kann saniert und neu und anders nutzbar gemacht, was muss rückgebaut werden?
Im Einzugsgebiet von Darmstadt, also in der Nähe einer Stadt von etwa 160.000 Einwohnern, aber dennoch nicht im Stadtgebiet selbst, liegt der ehemalige Bauernhof, welcher später von einer Spedition für deren Arbeiten genutzt wurde.
An uns wurde das Anliegen herangetragen, ein neues Entwicklungskonzept für das Hofgut und sein großräumiges Areal zu erstellen.
Es liegt zwar in der Nähe der Stadt, aber eben nicht in der Stadt, die Luft ist besser, es gibt weniger Verkehrslärm und es ist umgeben von Weiden, Feldern und nahen Waldgebieten.
Schnell zeigte sich, dass nur ein Teil der Anlage sanierungsfähig war, an Stelle der rückgebauten Einheit entsteht ein Neubau, der mit barrierefreien Wohnungen ausgestattet wird. So wird sich ein Zusammenklang aus der historischen Bausubstanz und den neu gestalteten und in ökologischer Bauweise erstellten Neubauten ergeben. Zusammen wird der Mehrgenerationen-Wohnkomplex ca. 1800 Quadratmeter qualitativ hochwertiger Wohnfläche für seine Bewohner bereitstellen.
Die Bestandshäuser erhalten auf der einen Seite familiengerechte Wohneinheiten über drei Etagen, jeweils mit einem kleinen Gartengrundstück versehen.
Auf der anderen Seite entstehen Wohnungen im Loft-Stil für Singles und Paare.
Die Größe der verschiedenen Wohnungstypen bewegt sich zwischen 60 und 160 Quadratmetern, eine Nahwärmeversorgung ist möglich.
Die Idee des Mehrgenerationenhauses ist eine spannende und durch die soziologische Veränderung der Gesellschaft auch sinnvolle, vielleicht notwendige Sache.
Großfamilien gibt es kaum noch, viele deutsche Haushalte sind längst Single- oder Paarhaushalte, mit steigender Tendenz.
Hier kann das Wohnen im Mehrgenerationenhaus als Alternative zu vereinsamtem Stadtwohnen dienen, ein solches Haus kann eine Begegnungsstätte sein, die nachbarliches Miteinander fördert. Somit eine Wohnform, die, wenn man so will, frühere dörfliche Qualitäten in moderner Form und mit hochwertigen Wohnungen anbietet.
Das Gesamtensemble wird dementsprechend sowohl eine ausreichende Anzahl an Parkplätzen und Spielmöglichkeiten für Kinder enthalten, es wird ein Café geben und gegebenenfalls auch eine Einkaufsmöglichkeit.
Helle, gut geschnittene Wohnungen, teils mit Balkon und Garten, umrahmen den Bereich in welchem Begegnungen aller Art stattfinden können. Das ist kein anonymes Wohnen, es werden automatisch Gespräche und Bekanntschaften entstehen, nicht nur in der eigenen Altersgruppe. So ergibt sich für jeden die Rückzugsmöglichkeit in den eigenen vier Wänden, aber gleichzeitig, und ganz ungezwungen, beim Gang nach Draußen, ist Gemeinschaft zu erleben.
Es können sich Fahrgemeinschaften bilden, man kann mit dem Rad zur Arbeit fahren, es können sich Hausaufgaben-, Haushalts- oder Einkaufshilfen ergeben.
Am Beispiel des Entwicklungskonzepts für dieses Hofgut darf man als Architekt durch die Übersetzung ehemaliger dörflicher Qualitäten in eine zeitgemäße Form eine Wohnform und einen Lebensentwurf mit Zukunft erarbeiten.